Flaschenpfand Betrug: Das sind die Tricks der Pfandflaschen Betrüger Aktuelle Fälle

Flaschenpfand Betrug: Das sind die Tricks der Pfandflaschen Betrüger Aktuelle Fälle

Ist es möglich, mit Pfandflaschenbetrug reich zu werden? Von dreisten Tätern werden Pfandautomaten der Discounter immer wieder manipuliert. Welche Tricks die Betrüger anwenden, erklären die Mitarbeiter.

In Kürze zusammengefasst

  • Pfandbetrüger machen Discountern zu schaffen
  • Pfandflaschen werden mit einer Angelschnur in den Automaten gesteckt
  • Mitarbeiter klären über die Tricks auf

Ganz gleich ob Netto, Aldi, Norma oder Lidl: alle Discountern haben Betrüger ins Visier genommen, um am Pfandautomaten mit einer raffinierten Betrugsmasche Geld abzuzocken. Das Ziel besteht darin, möglichst viel Geld mit den Pfandflaschen abzukassieren. Doch welche Tricks wenden die Betrüger an?

Aldi und Lidl-Mitarbeiter berichten, dass ein gängiges Verfahren bis vor Kurzem war, Geld durch Leergut zu machen und am Flaschenhals einerAngelschnur zu befestigen.

Angelschnur am Flaschenhals: Märkte ergreifen Gegenmaßnahmen
Die Pfandflasche wird mit diesem Trick in den Automaten gesteckt. Der Betrüger zieht diese kurzerhand, nachdem die Flasche gescannt wurde, mithilfe der Angelschnur zurück. Theoretisch lässt sich dieser Vorgang beliebig oft wiederholen. Gegenmaßnahmen werden jedoch seitens der Supermärkte, Discounter und Getränkemärkte ergriffen.

Pfandbetrug auch mit Getränkekisten: Schaden von mehreren tausend Euro verursacht

Ein lukrativer Pfandbetrug ist wohl auch mit ganzen Getränkekisten möglich. In Hamm hat die Polizei in einem Supermarkt vor kurzem drei Mitarbeiter und einen Helfer vorläufig festgenommen. Über Monate sollen diese Getränkekisten gestohlen und im Anschluss das Pfandgeld eingestrichen haben. Ein Schaden von mehreren tausend Euro  ist laut der Mitteilung der Polizei entstanden. Die Mitarbeiter, 19 und 21 Jahre alt, sollen dazu einen Käufer als Helfer eingesetzt haben. Den 52 jährigen ließen diese an der Kasse passieren, ohne jedoch das Pfand abzurechnen. Das Leergut soll die Gruppe ebenfalls mehrfach ausgezahlt haben.

Bei der Inventur ist der mutmaßliche Betrug aufgefallen. Der 52-Jährige ist von einer Zeugin, die die Polizei rief, aufgefallen, als er zahlreiche Kisten aus dem Geschäft trug, ohne diese zu bezahlen. Die Taten wurden bereits von drei der vier Verdächtigen eingeräumt.

Millionenbetrug mit Pfandflaschen: Angeklagter freigesprochen

In Düsseldorf ist ein Angeklagter rechtskräftig freigesprochen worden, bei dem es im Prozess um einen millionenschweren Betrug mit Pfandflaschen ging. Der 46-Jährige habe laut der Beweisaufnahme nichts von dem Betrug gewusst. Am Dienstag gab dies eine Sprecherin des Landgerichtes auf Anfrage an. Hinter seinem Rücken habe sich dieser Vorgang abgespielt.

Im September hat der Angeklagte beim Prozessauftakt seine Unschuld beteuert. Den Neusser Getränkemarkt habe der Mann, der seit Jahren in der Versicherungsagentur arbeitet, für einen Bekannten als Strohmann übernommen. Vorgeworfen wurde ihm von der Staatsanwaltschaft, als Geschäftsführer des Getränkemarktes die Rücknahme Automaten manipuliert zu haben und somit 1,8 Millionen Euro ergaunert zu haben.

Ein weiterer Prozess hat am im Landgericht stattgefunden, bei dem es ebenfalls um einen mutmaßlichen Pfandbetrug ging. Von Januar bis Juni 2014 haben laut Staatsanwaltschaft drei Männer die Rücknahmeautomaten für Einweg Pfandflaschen so manipuliert, dass nicht wie vorgesehen, das Leergut zerstört wurde. Die Angeklagten haben durch ihre mehrfache Verwendung einen Schaden von insgesamt 450000 € angerichtet.

Pfandbetrug in Oberfranken: Angel Trick im Kreis Kulmbach und Bayreuth

Auch zwei Jugendliche aus Marktleugast haben es auf einen schnellen Verdienst abgesehen. Die 14 und 16 jährigen wurden von einer Kundin beobachtet, wie diese eine Pfandflasche in den Automaten hinein schoben. Die Jugendlichen zogen die Flasche mit Hilfe einer Schnur aus dem Eingabeschacht, wie die erstaunte Kunden angab. Die Jugendlichen wurden gemeinsam mit einem Angestellten des Marktes gestellt. Eine Anzeige inklusive Hausverbot erwartet die Beiden, denn ein Kavaliersdelikt ist Pfandbetrug nicht, sondern eine Straftat

Franken: Supermärkte kämpfen gegen Pfandbetrüger

Vor einigen Jahren gab es auch in Bayreuth einen solchen Pfandbetrug. Mithilfe des Angeltricks erbeutete der 54-Jährige damals etwa 75 Cent in einem Verbrauchermarkt, bevor er dort erwischt wurde. Am Pfandautomaten versuchte er, die Flasche mehrfach einlesen zu lassen. Auch ihn erwartet nun eine Anzeige wegen Betrug.

Discounter und Supermärkte haben Gegenmaßnahme ergriffen. Ein Hinweis “Objekt wurde rückwärts bewegt/ angehalten” erscheint auf dem Display des Automaten. In den seltensten Fällen kommt es hierbei jedoch zur Anzeige. Eine Kassiererin gibt an, dass die meisten Täter die Flucht ergreifen.

Manipulierte Automaten: Pfandbetrug im großen Stil

2016 ergaunert in Köln ein Getränkehändler mit nur einer Flasche 44.000 €. Der Pfandautomat wurde von ihm so manipuliert, dass er ein und die gleiche Flasche viele zig tausend Male einlesen konnte. Der Wert betrug mehr als 44.000 € in generierte Pfandbons, die der deutsche Pfandsystem GmbH anstandslos erstattetet wurden.

Ein 27 jähriger aus NRW hat das Ganze eine Nummer größer und professioneller im Jahr 2018 mit einem Pfandbetrug aufgezogen. Insgesamt erbeutete er 1,2 Millionen Euro. Laut Anklage schaltete der Geschäftsführer eines Getränkehandels in Castrop-Rauxel die Schredderfunktion der beiden Pfandautomaten in seinem Markt ab. Demnach konnten die Dosen und Plastikflaschen mehrfach eingescannt werden. Jeder einzelne Flasche und Dose wurde von dem Automaten bei diesem Vorgang neu erfasst und das Unternehmen bekam vom Getränkehersteller die entsprechende Summe ausgezahlt. Für das Thema Pfandbetrug sind inzwischen Supermärkte und Discounter sensibilisiert worden, wie ein Beispiel aus Oberfranken zeigt. Ein Kunde hat im Jahr 2017 in einem Verbrauchermarkt in Bamberg rund 700 Flaschen abgegeben. Die Polizei wurde gerufen, da der Filialleiter stutzig wurde und Betrug witterte. Im Zusammenhang mit den vielen Pfandflaschen konnten die Beamten jedoch keine Straftat feststellen. Der Mann war wohl lediglich ein fleißiger Sammler.

Dreister Pfandbetrug: die Aufklebertricks 

Die Kreativität der Täter kennt beim Pfandbetrug scheinbar keine Grenzen. Ein weiterer Trick der Betrüger offenbarte eine Aldi Mitarbeiterin. Das Logo der deutschen Pfandsystem GmbH (DPG) wurden von den Betrügern ausdruckt und auf den Flaschen aufgedruckt, die überhaupt nicht in das Pfandsystem fallen. Dies auch beispielsweise bei Öl - oder Essigflaschen. Die Aldi - Mitarbeiterin erzählte, dass noch vor einigen Jahren das gleiche System mit Klorollen gemacht wurde und in das System eingeführt wurden.

Pfandautomaten scannen Code

Auch diesem Trick haben Supermärkte und Discounter wie Aldi und Lidl mittlerweile einen Riegel vorgeschoben. Der aufgedruckte EAN Code wird von den Pfandautomaten gescannt. Es gibt kein Pfand zurück, wenn dieser beschädigt oder schlichtweg nicht vorhanden ist. In Millionenhöhe sei der angebliche Schaden, den Pfandbetrüger mit vielen Tricks jedes Jahr in der Wirtschaft anrichten. Laut Experten lässt sich der genaue Betrag jedoch nicht beziffern.

Neue Pfandregelung in Deutschland seit 1. Januar 2019

Neues Jahr, neue Pfandregeln. Seit dem 1. Januar 2019 sei der Umwelt zuliebe ein neues Verpackungsgesetz in Kraft getreten. Recycling soll demnach gefördert werden. In Supermärkten, Discountern und auch am Kiosk müssen Verbraucher zukünftig nur noch für Getränke Pfand bezahlen.

Bislang waren Frucht - oder Gemüse-Nektare mit Kohlensäure, wie beispielsweise Apfelschorle aus Nektar, wie auch Mischgetränke mit einem Molkeanteil von mindestens 50 Prozent pfandfrei. Für Einwegverpackungen soll seit dem 1. Januar für solche Getränke nun auch 25 Cent Pfand fällig werden. 25 Cent Pfand gelten nach wie vor für Kunststoffflaschen, 18 für Glasflaschen.